Dieser Beitrag ist eigentlich ursprünglich über meine Unternehmens-Webseite „Dreadzauber - erfolgt & zugeknotet“ veröffentlicht und ich möchte aber gerne auch hier davon berichten:
Hilfe, die bewegt – warum ich das Frauenhaus Ingolstadt unterstützen
Bereits im letzten Spätsommer 2025 fing alles an und es war gleichermaßen aufregend für uns als auch mit voller Hoffnung und Wertschätzung in unseren Herzen. Aber alles der Reihe nach …
Eines schönen Tages wandte sich eine „Klinkenputzerin“ an meine Dreadzauber-Kollegin und Freundin Lissy mit der Frage nach einer Spende. Und wer kennt es nicht, dass man erst einmal in Hab-Acht-Stellung geht und sich fragt, was es denn für eine Spende sein soll?! In diesem Fall ging es um die Hilfe für das Frauenhaus in Ingolstadt und Lissy hörte erst einmal weiter zu.
Ein wenig später ergab es sich, dass sie mit dieser Dame, die von Tür zu Tür von lokalen Unternehmen ging, einen Termin ausmachte, damit man mich über einen Video-Call dazuschalten konnte.
Das Frauenhaus in Ingolstadt brauchte dringend ein neues Auto und suchte dafür Sponsorinnen und Sponsoren. Als die Möglichkeit entstand, das Caritas-Frauenhaus in Ingolstadt zu unterstützen, musste ich ehrlich gesagt nicht lange überlegen.
Warum aber Ingolstadt? Das ist ja nicht gleich um die Ecke?
Ganz einfach: In meiner Ecke gibt es kein Frauenhaus. Und es ist ja nicht so, dass es hier keinen Bedarf gäbe.
Lissy und ich kennen uns schließlich nicht nur als Unternehmerinnen. Wir haben auch unsere persönlichen Geschichten, unsere Erfahrungen und unsere ganz eigenen Gründe, warum uns bestimmte Themen nähergehen als andere. Sehr nah sogar. Also setzten Lissy und ich uns hin, rechneten durch, überlegten und unterschrieben ziemlich bald schon den Sponsoring-Vertrag. Als Dankeschön würde unsere Werbung auf dem Fahrzeug angebracht werden und dort mindestens fünf Jahre zu sehen sein.
Zu diesem Zeitpunkt war es für uns erst einmal eine konkrete Unterstützung für ein konkretes Projekt. Je mehr wir uns allerdings damit beschäftigten, desto mehr wurde uns klar, dass hinter diesem Auto viel mehr steckt.
Warum wir ein Frauenhaus unterstützen wollen
Lissy und ich haben gemeinsam eine größere Summe investiert, um die Anschaffung eines Fahrzeugs für das Frauenhaus zu ermöglichen. Für mich war das allerdings keine gewöhnliche Spende, denn hinter dieser Entscheidung steckt eine ziemlich persönliche Geschichte.
In meiner Heimatregion Landsberg am Lech gibt es seit jeher kein Frauenhaus. Hier fehlt ein solcher Schutzort für Frauen und ihre Kinder und es gibt Vereine und Institutionen, die seit Jahren darum kämpfen, dass es irgendwann hoffentlich einen solchen Schutzort geben wird. Dazu zählt auch der Initiativkreis Frauenhaus e.V. Landsberg am Lech, von dem ich leider erst vor Kurzem erfahren habe!
Für eine Frau, die sich in einer gewaltvollen oder bedrohlichen Situation befindet, kann so eine Anlaufstelle enorm wichtig sein. Wenn das eigene Zuhause kein sicherer Ort mehr ist, braucht es schließlich eine konkrete Möglichkeit, diesen Ort verlassen zu können. Dafür braucht es nicht nur Mut, sondern auch einen sicheren Zufluchtsort oder auch die Sicherheit, irgendwie an die Hand genommen zu werden.
Genau diese Möglichkeit hatte ich selbst damals leider nicht und hätte sie so sehr gebraucht.
Ich weiß deshalb, wie wichtig es ist, dass Frauenhäuser existieren und erreichbar sind. Sie bieten Schutz, Unterstützung und einen Ort, an dem Frauen mit ihren Kindern erst einmal zur Ruhe kommen können.
Und was viele nicht einmal ahnen: Gewalt beginnt nicht erst mit körperlichen Verletzungen.
Hierzu hat Lissy bereits ihre eigenen Gedanken auf ihrem Blog geteilt:
„Von unsichtbaren Türen und leisen Rettungsankern – was ich damals gerne gewusst hätte“
Und auch ich habe meine eigenen Erfahrungen, mit denen ich mittlerweile sehr offen umgehen kann. Bitte lies nur weiter, wenn du psychisch stabil bist und mit den Themen gut umgehen kannst.
TRIGGERWARNUNG: GEWALT, SUIZID, ENTFÜHRUNG
Persönliche Geschichte – zum Aufklappen
Dass Gewalt sichtbare Spuren hinterlassen muss um Hilfe zu bekommen, dachte ich damals leider auch. Es reicht eigentlich allein schon die Kontrolle über einen Menschen, die ständige Einschüchterung, psychische Gewalt, finanzielle Abhängigkeit, Isolation und ständige Abwertung, die ebenso Teil einer gewaltvollen Beziehung sein können. Gewalt ist nicht immer körperlich sichtbar, körperliche Gewalt ist nur leichter zu beweisen.
Ich bin damals mit meinem Säugling (er ist heute ein großer Teeny) in mein Auto gestiegen und einfach nur weg – untergetaucht und mit Baby einige Tage im Pkw „gewohnt“. Es war die Hölle. Viele Frauen brauchen lange, um ihre eigene Situation überhaupt als Gewalt zu erkennen. So auch ich vor über 15 Jahren.
Ich wurde von meinem Ex finanziell abhängig gemacht, eingeschüchtert, mit den Kindern erpresst, weil er mir immer wieder drohte, dass er sie mir nehmen würde, und ich wurde ständig manipuliert. Manch einer würde ihn wohl als klassischen Narzissten einsortieren, was im Laufe der Zeit tatsächlich von der Kripo Erding insgeheim und inoffiziell bestätigt wurde.
Mein Leidensweg von 2008 bis vor wenigen Jahren war lang und es folgte Nachtrennungsgewalt: Sorgerechtsstreit über zwei Instanzen für unser gemeinsames Baby, Unterhaltspflichtverletzung, Diffamierung, Rufschädigung zu Drogensucht und Prostitution und Kindeswohlgefährdung, Bedrohung, Kindesentführung unseres gemeinsamen Babys und zuletzt ein erweiterter Suizid, bei dem er sich selbst und den großen Bruder unseres Babys tötete.
Auch wenn er 2014 nicht mehr da war und uns nie wieder etwas antuen konnte, war dieser Teil meines Lebens noch lange voller Schmerz und Trauma. Ich habe das alles ohne Frauenhaus geschafft und hätte mir damals einfach mehr Hilfe und vor allem mehr Sichtbarkeit für diese unsichtbare Gewalt gewünscht.
Meinen Weg durch die Hölle und zurück ins Leben habe ich später in einer Art virtuellem Tagebuch verarbeitet. Und ich schreibe auch heute noch oft über all die Themen, die einen im Alltag so beschäftigen:

Kontrolle über einen Menschen, ständige Einschüchterung, psychische Gewalt, finanzielle Abhängigkeit, Isolation und ständige Abwertung können genauso Teil einer gewaltvollen Beziehung sein. Gewalt muss nicht körperlich sichtbar sein, körperliche Gewalt ist nur leichter zu erkennen und zu beweisen.
Ein Frauenhaus kann genau an diesem Punkt eine entscheidende Unterstützung sein.
Hilfe muss manchmal einfach praktisch sein
Das neue Fahrzeug des Caritas-Frauenhauses in Ingolstadt ist dafür eigentlich ein ziemlich gutes Beispiel. Ein Auto klingt im ersten Moment nicht gerade spektakulär. Es ist kein neues Gebäude, keine riesige Einrichtung und wahrscheinlich auch nichts, bei dem man spontan denkt: Wow, was für ein tolles Spendenprojekt. Aber genau das hat mich interessiert: Was kann dieses Auto eigentlich bewegen?
Und die Antwort darauf ist ziemlich viel! Das Fahrzeug wird unter anderem für Umzüge und Möbeltransporte von Frauen gebraucht, die aus der Schutzeinrichtung in eine eigene Wohnung ziehen. Es ermöglicht außerdem Fahrten zu Wohnungsbesichtigungen und wichtigen Terminen, beispielsweise zum Jugendamt oder zu anderen Stellen. Gerade wenn Frauen mit ihren Kindern den Schritt aus dem Frauenhaus in ein eigenes Zuhause machen, gibt es schließlich jede Menge zu organisieren.
Eine Wohnung zu finden ist das eine, tatsächlich dorthin zu kommen und den eigenen Hausstand mitzunehmen oder überhaupt erst mal einen Hausstand einzukaufen, ist noch einmal eine ganz andere Geschichte. Möbel müssen transportiert werden, Termine müssen wahrgenommen werden, Kinder müssen versorgt und begleitet werden und plötzlich steht man vor hundert kleinen Dingen, die erledigt werden müssen.
Genau da hilft ein Fahrzeug. Es macht die Unterstützung flexibler und unabhängiger und kann Dinge ermöglichen, die ohne passende Transportmöglichkeit deutlich schwieriger wären. Für mich ist genau das der interessante Teil daran: Unterstützung muss nicht immer riesig und spektakulär aussehen. Manchmal ist es einfach etwas ganz Konkretes, das dafür sorgt, dass der nächste Schritt überhaupt machbar wird.
Und dann wurde es für uns persönlich
Im Sommer wurden wir Anfang August nach Ingolstadt eingeladen, um das Auto endlich selbst zu sehen und auch mehr über die Arbeit und die Hilfsmöglichkeiten des Frauenhauses zu erfahren.
Und ganz ehrlich? Das hat uns mehr bewegt, als wir vielleicht vorher gedacht hatten. Wir sind hingefahren mit dem Gedanken einer Präsentation vom Auto, vielleicht ein Foto für die Presse, Handshake und wieder heim. Haha! Mitnichten!
Einen Teil der Geschichten dahinter zu hören und sich selbst dadurch plötzlich wieder in eine ziemlich dunkle Zeit zurückkatapultiert zu sehen, aus der man irgendwann irgendwie entkommen ist, war für uns beide schwer auszuhalten. Lissy und ich haben uns während des Sponsorenevents immer wieder angeschaut und mit Blickkontakt nach der anderen erkundigt, ob alles okay ist. Wir hatten beide sehr stark zu kämpfen, mit Emotionen von damals, mit Tränen, mit Erinnerungen und auch mit dem ein oder anderen Kloß im Hals.
Es gibt Dinge, die versteht man wahrscheinlich erst wirklich, wenn man sie selbst erlebt hat.
Ich weiß, wie wichtig es sein kann, wenn ein Mensch an deiner Seite bleibt, wenn es schwierig wird. Wenn jemand nicht urteilt, sondern einfach da ist. Und ich weiß auch, dass es Situationen gibt, in denen man alleine nicht weiterkommt, ganz egal, wie stark man eigentlich sein möchte oder wie „hart und kompromisslos“ man nach außen vielleicht wirkt. Deshalb hat mich die Geschichte des Frauenhauses und dieses neuen Autos sofort angesprochen. Wir konnten damit etwas ermöglichen, was ich vor langer Zeit selbst gebraucht hätte.
Meine eigene Geschichte hat meinen Blick auf Hilfe schon damals stark verändert. Vielleicht hätte ich manches früher besser verstanden, wenn ich damals schon gewusst hätte, welche Unterstützung überhaupt möglich gewesen wäre. Ich hatte schlicht keine Ahnung. Und es gibt so viele Frauen, die ebenfalls keine Ahnung haben!
Hier findet ihr auch den Bericht der Caritas über das neue Fahrzeug:
Zum Caritas-Bericht über das neue Fahrzeug des Frauenhauses Ingolstadt
Und hier gibt es ein kleines Video von unserem Besuch in Ingolstadt:
Sicherheit sollte keine Frage des Wohnortes sein
Ich hätte mir früher gewünscht, dass es in meiner Region einen solchen Ort gibt. Aus heutiger Sicht hätte mir wahrscheinlich schon allein das Wissen geholfen, dass es überhaupt Unterstützung gibt und dass diese nicht erst dann möglich wird, wenn man bereits körperliche Verletzungen hat. Heute kann ich zumindest dazu beitragen, dass an einem anderen Ort genau diese Unterstützung möglich ist.
Vielleicht ermöglicht ein sicherer Ort den ersten Schritt. Vielleicht hilft ein Fahrzeug dabei, eine eigene Wohnung zu finden. Vielleicht transportiert es irgendwann die letzten Kartons aus dem Frauenhaus in ein neues und sicheres Zuhause. Und vielleicht sitzt darin irgendwann eine Frau, die zum ersten Mal seit langer Zeit wieder das Gefühl hat, über ihr eigenes Leben entscheiden und einfach einmal durchatmen zu können, ohne diese ständige Angst im Nacken. Genau dafür wollten Lissy und ich helfen.
Ich kann meine Geschichte nicht ändern und es wird nie mehr so unbeschwert sein wie vor meinen Traumata. Aber vielleicht kann mein Beitrag dazu führen, dass die Geschichte einer anderen Frau oder eines anderen Kindes anders weitergeht und vielleicht sogar verhindert werden kann, dass etwas Schlimmes passiert. Aus der Überzeugung heraus, dass Frauen Unterstützung verdienen, bevor aus einer schwierigen Situation eine lebensbedrohliche wird, ist mein Antrieb entstanden.
Wenn unser Beitrag dabei auch noch für etwas mehr Sichtbarkeit sorgt, ist das für mich mehr als eine finanzielle Unterstützung. Dann ist es für mich auch Aufklärung. Denn es gibt sicher noch mehr Frauen und Mädchen da draußen, die denken, dass nur sichtbare Wunden zur Gewalt zählen.
Solidarität muss nicht immer groß anfangen
Solidarität klingt oft nach etwas Großem, nach Haltung, Zusammenhalt und nach „Wir müssen etwas verändern“. Aber manchmal fängt das Ganze ziemlich unspektakulär an. Zum Beispiel mit einer Frau, die bei einem Unternehmen klingelt und nach einer Spende fragt, einem Gespräch über ein Auto und zwei Unternehmerinnen, die irgendwann gemeinsam vor einem Sponsoringvertrag sitzen und überlegen, ob sie das wirklich machen können.
Für uns war irgendwann klar: Ja, wir können und wir wollen!
Dabei geht es für mich überhaupt nicht darum zu sagen: Schaut her, welch gute Tat wir vollbracht haben. Je mehr wir uns mit dem Projekt beschäftigt haben, desto weniger fühlte es sich für mich überhaupt noch wie „Wir unterstützen ein Frauenhaus“ an. Es fühlte sich vielmehr an wie: Wir helfen dabei, dass anderen Frauen geholfen werden kann, damit sie vielleicht nicht durch dieselbe Hölle müssen wie Lissy oder ich.
Wir können nicht wissen, welche Frau irgendwann in diesem Auto sitzen wird. Wir kennen ihre Geschichte nicht und wir wissen auch nicht, welchen Weg sie gerade hinter sich oder welchen sie noch vor sich hat. Aber wir können dazu beitragen, dass sie diesen Weg nicht völlig alleine gehen muss.
Es gibt so viele Menschen und Einrichtungen, die Unterstützung brauchen, und natürlich können wir nicht überall helfen. Wie gerne hätte ich lieber hier in Landsberg ein Frauenhaus unterstützt. Aber das gibt es eben (noch) nicht.
Wir können aber dort anfangen, wo uns etwas berührt und wo wir konkret etwas beitragen können. In diesem Fall war es Ingolstadt. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dieser ganzen Geschichte mitnehme: Hilfe muss nicht immer groß aussehen, um etwas zu bewirken.
Dieses Auto wird keine Welt verändern und es wird auch nicht alle Probleme lösen. Aber es kann einer Frau dabei helfen, zu einem wichtigen Termin zu kommen. Es kann Möbel transportieren. Es kann Kindern den Weg in die neue Wohnung erleichtern. Es kann einen Umzug möglich machen und vielleicht dafür sorgen, dass eine Frau einen weiteren Schritt in ein selbstbestimmtes Leben gehen kann.
Für mich ist das Hilfe, die bewegt.
Und ja, diese Hilfe hat tatsächlich vier Räder.
|
Telefonnummern in einer akuten Krise
|



