Seit ich damals im September in der Trauma-Ambulanz saß mit der Hoffnung auf eine Diagnostik, sind nun weitere 29 Wochen vergangen, in denen ich im Umkreis von 50km sämtliche Psychiater und Psychiaterinnen anrief oder anschrieb.
Was soll das eigentlich mit diesen Wartelisten?
Hab ich nie verstanden! Man wird auf eine Warteliste eingetragen und dann braucht man sich nicht einbilden, irgendwann wie in einem Wartezimmer einer Arztpraxis aufgerufen und drangenommen zu werden! Nein! Auf keinen Fall geht das Spiel so! Die Regeln sind anders! Man wird namentlich auf eine Liste eingetragen und bekommt als „Hausaufgabe“ mit auf den Weg, dass man sich selber nach 3-9 Monaten (hier sind die Zeiträume echt sehr unterschiedlich!) selbstständig wieder zu melden hat!
Ich bin überzeugt davon, dass man da einfach rausfiltern möchte, wem es wirklich wichtig ist und wem nicht! Ist jedoch nur eine Mutmaßung und viele Menschen, die wirklich auf Hilfe hoffen und nach Hilfe suchen, überleben diese Warteliste vielleicht nicht einmal oder haben schlichtweg keine Löffel, um sich Termine zu erkämpfen und immer wieder danach zu betteln.
Ich habe mir jedes Telefonat und jede Mail an jeweilige Praxen in einer Excell-Liste notiert und im Kalender vom Smartphone Erinnerungen und Termine gesetzt, die jeweiligen Praxen erneut zu kontaktieren.
An der Stelle möchte ich mal echt betonen, wie wichtig mein verhasstes Smartphone ist, ohne es ich niemals irgendwas auf die Kette bekommen würde, weil ich Termine und Erinnerungen schlichtweg vergesse – trotz Papier-Kalender, den ich ebenfalls parallel führe! Aber darin liegt vermutlich meine Superkraft: Struktur und Planung!
Also wo waren wir? Ach ja, ein Termin für eine Verhaltenstherapie, damit ich zur Diagnostik in die Trauma-Ambulanz „darf“. Dieser erste Termin für eine VT ist also am 30. April 2025 und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie krass sich diese Gewissheit anfühlt, dass ich nur noch wenige Tage bis zum Tag X habe!
Also was soll ich noch weiter dazu erzählen? Vielleicht ja mal mehr in einem Update hier!
Update am 2. Mai 2025
Nun sind einige Tage vergangen seit meinem ersten Termin. Und ich musste es erst mal sacken lassen. An sich war der Termin ok. Ich kam pünktlich dort an, sollte einige wenige Minuten noch im Wartebereich Platz nehmen und es ging dann recht schnell in ein gemütlich eingerichtetes Zimmer mit mehreren Stühlen, Teppich und einem Schreibtisch – ganz ohne Straßenschuhe! Das war mir sehr sympathisch. Das Zimmer machte einen konservativen Eindruck, ein wenig altmodisch vielleicht und es stand auch ein CD-Spieler aus den 90er Jahren im Regal, den ich tatsächlich auch als Teeny hatte.
Zuerst wurde ich gefragt, wieso ich mir Hilfe wünsche und bei welchen Themen oder ob ich das genauer sagen kann. Die Frage hörte ich schon mal in der Trauma-Ambulanz im September. Und bei der Frage kamen mir die Tränen, ich stockte und ich hatte das Gefühl, dass ich die Kontrolle über mich verlor. Ich hatte keine Idee davon, was ich eigentlich wollte, außer zu wissen, was mit mir los ist. In Worte fassen? Unmöglich!
An dem Tag war es anders. Ich wusste genau, was ich sagen wollte. Ich wollte Klarheit! Ich möchte Hilfe zum Sortieren meines bisherigen Lebens und meiner Masken, meiner täglichen Schwierigkeiten und meiner häufigen Verzweiflungen bzgl. meiner Kinder und deren alltäglichen Meltdowns, Shutdowns, Overloads und unverständigen Mitschülerinnen und Mitschülern. Ich antwortete direkt und aus dem Bauch heraus. Zwar war ich da auch leicht stockend, aber bedacht und um die richtigen Worte suchend, überlegt und gefasst. Ok, ich gebe zu, dass ich bei dem Thema um meine neurodivergenten Kinder den Anschein von Tränen im Auge hatte, aber zumindest musste ich bei diesem Gespräch nicht wieder nur heulen und konnte Sätze zusammenhängend und adäquat vorbringen.
Was mir nur an diesem Tag dabei sehr schwer gefallen ist: Augenkontakt. Den schummle ich ja schon seit Jahren eher auf Stirn und Nasenspitze herbei, aber nicht mal das konnte ich bei diesem Termin. Ich hab dann auch keine Anstalten mehr gemacht, um es zu verheimlichen oder zu verbergen, schaute oft auf den Teppich, aus dem Fenster oder auf meine Hände.
Insgesamt habe ich mich nicht unwohl gefühlt und empfand auch diese ruhige Art und das leise Sprechen des Therapeuten als sehr angenehm und wohlwollend. Auch wurde mir nicht sofort wieder alles aberkannt und abgelehnt, was ich zu sagen hatte und bekam auch das Gefühl, gehört und mit meinem Anliegen gesehen zu werden. Es war richtig gut!
Zuletzt sagte er, dass es so einige Themen zu beleuchten gäbe und wie die Sitzungen als erstes sein würden. Dann sagte er aber auch, dass das schwierigste hinter mir liege: um Hilfe bitten! Und ja verdammt, er hat so recht! Das war das Schwierigste! Aber nun saß ich da und wollte gleich am liebsten Termine machen. Die bekam ich aber nicht. Ich bekam einen Fragenkatalog mit 26 Seiten zum Ausfüllen. Und dann wurde ich sehr freundlich verabschiedet und soll mir einige Tage erst mal überlegen, ob ich das wirklich möchte und ob das für mich passend ist, mit ihm die Therapie zu starten.
Die letzten Tage seit dem Termin vergingen rasend schnell. Ich hab nicht weiter über das Erstgespräch nachgedacht aber mein Bauchgefühl sagt „Tu es!“. Und jetzt, während ich hier diese Zeilen tippe, denke ich immer mehr daran, dass ich das wirklich machen möchte!
Ich werde also gleich eine Mail an die Praxis senden und mitteilen, dass ich gerne weitere Termine wünsche. Ich bin gespannt, ängstlich und positiv gestimmt. Kann ja nicht mehr schlimmer werden als die Male vorher.
Update 15. Mai 2025
Ich hab also am 2. Mai gleich noch am selben Abend gegen 21:33 Uhr eine Mail an den Herrn geschickt:
Guten Abend Herr Xy,
Hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich gerne weitere Termine mit Ihnen wünsche und hoffnungsvoll Ihre Hilfe in Anspruch nehmen möchte.[…]Das Interview habe ich auch bereits ausgefüllt und bringe es gerne beim nächsten Termin mit.Ich würde mich sehr über ein paar Terminvorschläge freuen.Mit freundlichen Grüßen,…



