Es schmerzt noch immer..

Ich habe sicherlich schon 5x den Text hier geschrieben, wieder gelöscht und neu begonnen. Aber irgendwie weiß ich nie wirklich, wie und vor allem wo genau ich anfangen soll mit auskotzen. Es drehkarrussellt einfach eine Menge in meinem Kopf, was mich einerseits traurig stimmt aber was mich auch seit Jahren einfach immer noch so wütend und enttäuscht bleiben lässt – und ich möchte einfach nicht mehr wütend und enttäuscht sein.

Ich habe mich nun dazu entschlossen, meine Gedanken und meine Sicht der Dinge wieder hier rauszuhauen und es loszulassen. Wie Ballast, den man in den Müll kippt und sich vielleicht ein frecher Waschbär daran den Magen vergiftet..

Es heißt ja so schön: kotz dich aus, dann geht es dir (vielleicht) besser – aber das ist ja auch kein neuer Spruch..

Einige wissen ja, dass heute vor genau 4 Jahren einer dieser Tage war, an denen Freude und Leid sehr eng beieinander lagen. Einerseits war es ein sehr glücklicher Tag, denn ich war damals glückliche Mädchen-Mami einer Zweijährigen! Meine Tochter wurde heute 6 Jahre alt und ich bin immer noch sehr stolz darauf, so eine wunderbare Tochter bekommen zu haben!

Aber auch Leid hängt in der Luft, dieser Tag ist für mich Himmel und Hölle zugleich, denn vor vier Jahren genau wurde Raphael beerdigt. Ich war damals nicht in der Lage, dieser Beerdigung beizuwohnen und richtete den Kindergeburtstag meiner Tochter aus. Bis heute war ich auch noch immer nicht an seinem Grab..

Die folgenden Geburtstage von Joséphine meisterte ich für Sie und hielt meine Tränen immer im Verborgenen vor den Kindern. Es ist in meinen Augen völlig in Ordnung, auch noch nach Jahren traurig zu sein und an solchen Tagen ein schweres Herzchen zu haben..

Aber..! Ich bin noch immer wütend und enttäuscht!

In einigen Dingen habe ich aufgehört mich selbst oder das Universum zu fragen, wieso Raphael sterben musste, wie es verhindert hätte können, warum ausgerechnet ich mit so einen Schmerz leben muss und was nicht alles noch für Fragen, die sich mit der Zeit in meine Seele bohrten. Ich hinterfrage nicht mehr und ich bin auch nicht schuld daran! Ich bin traurig und vermisse meinen Schatz, aber ich zermartere mir nicht mehr mein Hirn, nur weil mein Ex so ein Drecksschwein war und uns so ein Schicksal anlastete!

Es ist wie es ist!

Aber manche Dinge gehen unwiderruflich kaputt!

Heute vor 4 Jahren ereignete sich etwas in unserer Küche, die Kinder spielten. Ich stand an der Küchenzeile und meine Mutter saß am Tisch.

Ein Blick zur Uhr und es war dieser Moment, in dem in Garching die Beerdigung für Raphael anfing – ich hatte einen dicken Klos im Hals und man kann sich nur schwer vorstellen, wie ich mich fühlte. Ich war froh, dass meine Mutter bei uns war..

..noch!

Aber manchmal (oder auch recht oft wenn ich so an mein ganzes Leben mit ihr zurück denke..) sagte sie Dinge, die mehr schmerzten als die schärfste Klinge. Vielleicht war das nicht mal ihre Absicht, aber es saß tief und macht mich bis heute einfach wütend und verletzt!

Wir unterhielten uns, tranken gemeinsam Kaffee und alles war irgendwie friedlich, alle waren irgendwie still und in Gedanken wegen der Beerdigung.

Dann sah sie mich durchdringend an und meinte nur ganz trocken und ziemlich ernst zu mir folgendes:

„Du bist doch nicht etwa auch noch schwanger oder? Also das könnt ihr ja momentan echt nicht gebrauchen!!“

Da blieb mir die Spucken weg, ich war tatsächlich mal sprachlos!

Innerlich aufgewühlt, wütend und enttäuscht gab ich Contra:

„Natürlich nicht Mama, ich bin nur fett!“

Was sie eigentlich nicht wissen konnte: Ich hatte wenige Tage zuvor endlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand, denn Sven und ich hatten uns ein Baby gewünscht. Aber auch das war ja leider ein Teil meines Lebens, der nicht einfach für mich war – ich konnte nicht leicht schwanger werden und hatte schon vorher einige Fehlgeburten erleben müssen. Sieben um genau zu sein.

Dieser Spruch meiner Mutter hallt immer noch nach und macht wütend! Warum sagte sie so etwas? Wieso giftete sie so diese Frage aus sich heraus und verletzte mich damit? Mit welchem Ziel? Und wieso denkt sie, dass wir das momentan nicht gebrauchen können?? Anmaßend finde ich es!

Einige Dinge kann man einfach nicht reparieren, einige andere schon. Aber will man was reparieren, wenn keine Einsicht kommt oder man keine Entschuldigungen hört oder liest? Und somit lade ich es hier hin, schließe damit ab und möchte nächstes Jahr zum Geburtstag meiner wunderbaren Tochter keine Wut mehr über dieses Ereignis verspüren.

Es ist wie es ist und einiges kann man ändern, anderes nicht mehr. Meine Einstellung zur Wut, Enttäuschung, Ohnmacht und Trauer bezüglich Raphaels Tod habe ich weitestgehend gut im Griff – dank meiner Familie und meiner Freunde. Nun möchte ich die nächste Wut einfach mal ad Acta legen.

Ich hoffe, ich schaffe es und fühle mich besser, sobald der Beitrag online ist.

Liebe Grüße

Eure Steffi

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