Fragen über Fragen und endlich habe ich einen „Fahrplan“ für meine ehrlichen Antworten an Vincent..

Ein heikles Thema holt mich nun ein, vor dem ich mich schon lange Zeit gefürchtet habe!


„Mama, wie kommen die Babies in den Bauch?“

„Mama, wieso ist der Raphael im Himmel?“

„Mama, war der Raphael krank und wie ist er denn gestorben?“


 

Diese und viele weitere Fragen kamen und werden wohl noch bald kommen. Vincent weiß, dass sein großer Bruder Raphael bereits gestorben und schon im Himmel ist. Er weiß auch, dass der Opa ein krankes Herz hatte und nun im Himmel ist, weil eben dieses kranke Herz einfach aufhörte zu schlagen. Aber wie erkläre ich Vincent, wieso sein gesunder Bruder schon als Kind sterben musste? Diese und viele weitere Fragen haben mir monatelang, ja sogar über Jahre Bauchweh beschert.

Da ich mich dieser Aufgabe ohne Hilfe nicht gewachsen fühlte, fragte ich bei meiner  Therapeutin und die Therapeuten meines Sohnes aus der HPT nach. Ich kann mich glücklich schätzen, diese Menschen an meiner Seite zu wissen, denn ohne ihren Rat und die ständige Bereitschaft zu helfen, wäre ich nicht fähig diese Baustelle in Angriff zu nehmen!

Ebenfalls kann ich von Glück reden meinen Mann Sven zu haben, der mir ebenfalls zu jeder Zeit die Hand hält, Tränen trocknet, mich einfach mal feste drückt, und mir bei all den Sorgen und Gedanken beisteht!

In erster Linie habe ich nun gelernt, was bei heiklen Themen wie die unseren hier wichtig ist:

  • Man sollte auch als Eltern niemals die Kinder belügen und immer bei der Wahrheit bleiben!

Man muss nicht immer sofort auf alles eine Antwort haben und in meinem Fall habe ich ganz zu Anfang auch nur kurz und knapp gesagt, dass ich ihm auf die Frage nach dem Hergang von Raphaels Tod eine Antwort schuldig bleibe. Ihm reichte es noch zu hören, dass es eine lange Geschichte sei und ich noch nicht so weit wäre es ihm zu erklären, weil ich noch zu traurig bin. Es war ok für ihn. Es war eine Antwort – eine ehrliche Antwort und er gab mir die Zeit, die ich einforderte.

  • Kinder fragen nur soviel, wie sie ertragen können!

Kurz und präziese gesagt: wenn Vincent fragt, wo sein Bruder ist, sag ich nicht, er sei verscharrt auf einem Friedhof in Freising in Pazelle xy weil sein Erzeuger ihn ermordet hat, sondern gebe ihm die kurze Antwort, dass Raphael im Himmel ist – wir glauben daran. Und für Kinder ist dies die einfachste Erklärung. Er benötigt keine Ausschmückung mit dem Wie und Warum. Er fragt ja nur nach dem Wo. Also habe ich da schon mal alles richtig gemacht!

  • Fragen ernst nehmen und das Kind für diese gute Frage loben!

Ob man eine Antwort weiß oder nicht, ist hier überhaupt nicht wichtig! Selbst wenn man selber noch Zeit benötigt, um die richtigen Worte zu finden, sollte man das Kind für diese Frage loben.

„Das ist eine gute Frage und ich werde sie dir auch ehrlich beantworten! Aber ich benötige noch Zeit, denn ich muss selber erst überlegen, ..wie ich es sage/..was passiert ist!“

Das wäre eine ehrliche Antwort! Ich werde bei so einer Situation auch seine Fragen auf einem Block notieren, um ihm zu zeigen, dass ich ihn und seine Suche nach Antworten sehr ernst nehme.

Doch wo genau fange ich an?

Die Therapeuten in der HPT haben sich extra wegen dieser ganzen Situation in München bei einer sehr angesehenen Kinderpsychiaterin coachen lassen, um mir mit Rat und Tat zu helfen. In erster Linie muss ich eigentlich ganz vorne anfangen: „Wie kommen die Babies in den Bauch?“ – und ganz wichtig dabei: wer hat welches Baby in Mamas Bauch gebracht? Wer gehört zu wem und wer hat welche Rollen in Vincents Leben?

Also beginne ich mit dem Thema aller Themen, nämlich der allgemeinen Aufklärung. Hierzu habe ich mir ein Buch bestellt, welches ganz gut sein soll. Und wie die Babies in den Bauch kommen, wurde ich ja auch schon von ihm und Joséphine gefragt! Leider musste ich da auch eine eher mäßige Antwort geben, denn ich stand mit einem Bein schon im Flur und musste zur Arbeit gehen.

img_8396-1

Quelle Amazon: Klär mich auf -101 echte Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema

Aber ich gebe zu – das Thema macht mir nicht wirklich Unbehagen! Ich finde es schlimmer, dass in der heutigen Zeit oft immer noch die Aufklärung durch Massenmedien und Schule passiert und nicht von den Eltern, weil es in vielen Familien eben noch tabuisiert wird. Aber das ist ein anderes Thema..

Sobald Vincent dann also weiß, wie die Babies in den Bauch kommen, kommt die nächste Haltestelle in meinem „Fahrplan“.

  • Wer gehört zu wem?

Das wird schwer und auch wieder nicht! Man riet mir dazu, kleine Spielzeugfiguren zu nutzen, die dann die jeweilige Rolle spielen und dann veranschaulichen, wer zu wem gehört. Die Familie daheim also – Papa, Mama, Bruder, Schwester und er selbst. Dann noch die Schwester, die bei einer anderen Mama wohnt. Dann noch ein biologischer Papa, er dafür sorgte, dass Vinc in meinen Bauch kam, dann noch ein Bruder, der zwar Mama zu mir sagte, aber in einem anderen Bauch war, usw. Und so bekommt jeder seine wichtige Rolle, und Vincent versteht, wer zu wem gehört und woher jeder kam.

Erst wenn er das alles ver- und bearbeiten konnte, wird er weitere Antworten bekommen, wie Raphael gestorben ist. Und erst dann, wenn es soweit ist, werde ich euch hier gerne weiter berichten!

In der Zwischenzeit werde ich selber noch dieses folgende Buch lesen und mich für die Situation des späteren Themas ein wenig vorbereiten.

img_8395

Quelle Amazon: Dann geh‘ ich zu Mama ins Bett


Was ich aber vorher noch erzählen möchte ist, dass ich ein weiteres Buch gern vorstellen möchte. Das habe ich ebenfalls bestellt, und ich hoffe, es hilft Vincent (und uns als Familie) ein wenig, Gefühle wie Wut, Frust oder Trauer besser zu verstehen und/ oder zu kanalisieren.

img_8411

Quelle Amazon: Das rote Dings

Ich freue mich jedenfalls immer über Feedback und Anregungen von allen meinen Lesern!

Bis bald!

Eure Steffi

Advertisements